PFAS-Regulierung in EU und Deutschland: Aktueller Stand 2026
Bereits in unserem White Paper „PFAS‑Verbot“ haben wir die Hintergründe und den möglichen zeitlichen Ablauf erläutert. Auch wenn die öffentliche Diskussion in der Industrie 2024 sehr intensiv geführt wurde und inzwischen etwas abgeflaut erscheint: Das Thema ist keineswegs vom Tisch. Nachfolgend finden Sie den aktuellen Stand der Entwicklungen.
EU-weite PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser seit Januar 2026
Seit dem 12. Januar 2026 müssen alle EU-Mitgliedstaaten PFAS im Trinkwasser systematisch überwachen und die Ergebnisse an die EU-Kommission melden. Es gelten erstmals verbindliche Grenzwerte – sowohl für einzelne PFAS als auch für die Summe aller PFAS-Verbindungen.
Damit existiert EU-weit eine einheitliche Grundlage für die Erfassung und Bewertung von PFAS im Trinkwasser.
Stand der PFAS-Beschränkung bei der ECHA
Im August 2025 wurde ein aktualisierter Beschränkungsvorschlag veröffentlicht. Dieser umfasst drei mögliche Optionen:
1. Vollverbot mit Übergangsfrist
Eine vollständige Beschränkung aller PFAS mit einer Übergangsfrist von rund 18 Monaten.
2. Einzelfall-Exemptions
Zeitlich begrenzte Ausnahmen für einzelne Sektoren – je nach Anwendungsbereich zwischen 5 und 13,5 Jahren.
3. Kontrolliertes Klassifizierungssystem
PFAS dürfen unter definierten Rahmenbedingungen weiterhin verwendet werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.
Derzeit prüfen die zuständigen Gremien der ECHA diese Optionen. Eine Entscheidung der EU-Kommission wird für Ende 2026 bis Anfang 2027 erwartet.
Nationale PFAS-Regelungen: Frankreich und Dänemark als Vorreiter
Frankreich
Seit Anfang 2026 gelten in Frankreich Verbote für PFAS in:
- Kosmetika
- Bekleidung und Textilien
- Schuhen
- Skiwachs
- Imprägniermitteln
Ausnahmen bestehen u. a. für PSA, militärische Ausrüstung und recycelte Produkte. Ein weiteres Verbot für alle Textilien, inklusive Schutzkleidung, soll ab 2030 folgen.
Dänemark
Dänemark plant ein nationales Verbot von PFAS in:
- Verpackungen
- Bekleidung
- Schuhen
- Imprägniersprays
Beginn: Mitte 2026
Ausnahmen: PSA der Kategorie III und medizinische Geräte.
Position der DECHEMA in Deutschland
Die DECHEMA spricht sich klar gegen ein generelles PFAS-Gesamtverbot aus. Stattdessen fordert sie eine risikobasierte Regulierung.
Ihre zentralen Argumente:
- Nicht alle PFAS sind gleichermaßen gefährlich.
- Fluorpolymere sollten vollständig aus Beschränkungen herausgenommen werden – sie haben essenzielle technische Funktionen.
- Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit müssten geschützt werden.
- Übergangs- und Ausnahmegenehmigungen sollten flexibel verlängert oder neu beantragt werden können.
Die Bundesregierung unterstützt diesen Ansatz und setzt ebenfalls auf eine differenzierte, risikobasierte Regulierung.
Auswirkungen auf Schlauch- und Armaturentechnik
Nach aktuellem Stand ist davon auszugehen, dass die Industrie umfassende Ausnahmeregelungen erhalten wird. Besonders Fluorpolymere werden voraussichtlich weiterhin in vielen industriellen Anwendungen genutzt werden können.
Gründe dafür:
- klare Positionierung von Industrieverbänden und Unternehmen
- fehlende technische Alternativen in vielen sicherheitsrelevanten Bereichen
- Anerkennung der essenziellen Funktion von Materialien wie PTFE
Dennoch gibt es einzelne Anwendungen, bei denen PFAS-freie Alternativen technisch bereits möglich sind. Hier können Anpassungen notwendig werden. Wenn Sie wissen möchten, wie sich die Entwicklungen konkret auf Ihre Anwendung auswirken, beraten Sie unsere Produktexperten gerne persönlich.

FAQ zum PFAS-Verbot
Was sind PFAS?
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind chemische Verbindungen, die extrem stabil sind und in vielen industriellen Anwendungen eingesetzt werden – etwa in Schläuchen, Dichtungen, Textilien und Beschichtungen.
Ab wann gilt das PFAS-Verbot?
Die Entscheidung der EU-Kommission zum ECHA-Vorschlag wird Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Nationale Regelungen wie in Frankreich und Dänemark greifen teilweise früher.
Sind Fluorpolymere wie PTFE ebenfalls betroffen?
Im Grundsatz ja, allerdings werden umfangreiche Ausnahmeregelungen diskutiert. Viele Industrievertreter fordern, Fluorpolymere vollständig auszunehmen.
Welche PFAS gelten ab 2026 in der EU als reguliert?
Seit Januar 2026 gelten erstmals EU‑weite Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser – sowohl für einzelne Stoffe als auch für die Gesamtsumme aller PFAS.
Gibt es PFAS-freie Alternativen?
Für einige Anwendungen ja. In kritischen Industriebereichen wie Chemie, Pharma oder Lebensmittelverarbeitung sind Alternativen jedoch noch begrenzt.
Was bedeutet das für Schläuche, Dichtungen und Armaturen?
In vielen industriellen Bereichen ist weiterhin mit dem Einsatz von Fluorpolymeren zu rechnen. Trotzdem sollten Sie prüfen, ob für bestimmte Anwendungen PFAS-freie Alternativen sinnvoll oder notwendig sind.
